Skulpturales Handeln

Anlässlich der Veröffentlichung 2014 in Kunst+Unterricht, Friedrich Verlag

„Ich möchte hauptsächlich mit dem Begriff „Skulpturales Handeln“ umgehen. Auch wenn er vorerst Verwirrung stiftet, scheint er mir eine wunderbare Gelegenheit zu geben, Dimensionen der künstlerischen Arbeit über das zwei-, drei- und mehrdimensionale Denken hinaus neu anzugehen. Darin wird das Handeln mittels bildhauerischer Techniken wie auch das Handeln der Skulptur selbst einbezogen. Die eigentlich geschicklichkeitsorientierte Fähigkeit, mit verschiedenen Techniken umzugehen, wie auch die persönliche Absicht basierend auf unterschiedlichsten Voraussetzungen. In ihrer eigentlich nicht eingrenzbaren Definition – abgesehen von dem ursprünglichen Wort des Schlagens/Beschlagens – umschreibt die skulpturale Tätigkeit jene Bereiche, die auch aus einem geschichtlichen althergebrachten, zwischendurch sogar mythischen Gegenstandsbezug herrühren und uns unvorhergesehene Anlässe der interpretierenden Betrachtung liefern.“

„Als Zeichen kulturellen Raums kann Skulptur jenseits von strukturellen und kategorisierenden Interpretationen bestehen und die unterschiedlichsten Ansätze für Reflektionsräume bieten. Damit komme ich zur Bedeutung des skulpturalen Denkens, welches in erster Linie – so einfach wie das klingt – auch von einer Voraussetzung ausgeht, die mit Heinrich von Kleists bekanntem Aufsatztitel beschrieben werden könnte: „Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden“. In seiner Abhandlung kommt noch ein weiterer Satz vor, der für ein Denken in skulpturalen Zusammenhängen stehen könnte: „Denn nicht wir wissen, es ist allererst ein gewisser Zustand unsrer, welcher weiß.“ Die Verfertigung der Gedanken also, ist in diesem Sinne auch eine Verräumlichung. Ohne Raum haften die Gedanken nicht, und somit findet die Skulptur ihren Platz.“

„Obwohl sich der Skulpturunterricht als etwas recht Konservatives erweisen kann, ist er doch offen und weit ausufernd – vor allem in seinen gedanklichen Dimensionen, weil wir seit zwei Jahrzehnten nicht nur ein dialektisches, analoges Denken pflegen und verstehen möchten, sondern auch ein digitales einbinden. Die Skulptur bekommt damit ihre politische und gesellschaftsrelevante Bedeutung zurück, wo sie Verantwortung übernehmen kann oder zumindest auf metaphysischer Ebene einen Einfluss ausübt. In der gedanklichen Arbeit, zum Beispiel, war mir der Austausch zu den Arbeiten entscheidend, die aus einer vernetzten Wirklichkeit kommen. Ich habe eine eigene Suchmaschine entworfen, die dem uns heute angewöhnten digitalen Abfragen entgegenkommt und die Antworten in Bilder präsentiert. Sie sind so angeordnet, dass sie beim Ausdrucken zu Kuben zusammengesteckt und geklebt werden können. (Search Engine’s Bodily Reply). Damit wird die Verräumlichung digitaler Wissensbildung thematisiert. Die skulpturale Konstruktion aus dem digitalen Raum heraus.“

„Der Reiz im skulpturalen Handeln liegt darin, sich über sehr alte Erfahrungen neue Wege zu bahnen, aber sich darin nicht einengen zu lassen. Dazu scheint diese Tätigkeit perfekt geeignet zu sein, weil sie auch in Beurteilung und Wahrnehmung nur die ihr innewohnende Aufgabe vorzeigt und jegliche Frage nach Funktion und Nutzen außen vor lässt.“